Czasopisma Naukowe w Sieci (CNS)

„Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ – vom Sprichwort über Schillers geflugeltes Wort zum Antisprichwort

  1. Wolfgang Mieder

Abstract

„Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ – vom Sprichwort über Schillers gefl ugeltes Wort zum Antisprichwort

 

Viele der aus Friedrich Schillers Werken stammenden Zitate sind über den Weg der geflügelten Worte zu allgemein bekannten Sprichwörtern geworden. Gewissermaßen gilt dies auch für das Zitat „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“, das in dieser exakten Formulierung zum ersten Mal in Schillers Wallensteins Tod (1800) auftritt. Varianten dieses Sprichwortes sind jedoch in europäischen Sprachen bereits seit dem Mittelalter überliefert, wobei die deutschen Frühbelege schließlich durch Schillers Text verdrängt wurden. An Hand von vielen Beispielen zeichnet der Aufsatz die Geschichte des Sprichwortes vor Schiller auf und zeigt dann, wie seine geglückte Formulierunginzwischen zu einem anonymen Volkssprichwort geworden ist. Heutzutage lebt es fast immer ohne Bezug auf Schiller in der Prosaliteratur, Gedichten, Aphorismen, Schlagweilen, Reklamen, Karikaturen und Graffiti fort. Obwohl es weiterhin in seinem ursprünglichen Wortlaut auftritt, wird es oftentstellt, verfremdet und parodiert, so daß es gerade als innovatives Antisprichwort in vielen Variationen zu finden ist. Dieses sprachliche Spiel zwischen Tradition und Innovation lässt das Weiterleben von Zitaten und Sprichwörtern in der Moderne erkennen.

Many of the quotations from Friedrich Schiller’s works have become generally known proverbs by way of winged words. In a certain way this is also true for the quotation “Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben” (Praise not the day before the night) which in this precise formulation appears for the first time in Schiller’s Wallensteins Tod (1800). Variants of this proverb can however be found in European languages already since the Middle Ages, with early German references having been replaced by Schiller’s text. The essay traces by way of many examples the history of this proverb before Schiller and then shows how his successful formulation has by now become an anonymous folk proverb. Today it survives almost always without reference to Schiller in prose literature, poems, aphorisms, headlines, advertisements, cartoons, and graffiti. Even though it continues to appear in its original wording, it is often changed, alienated and parodied so that it is to be found as an innovative anti-proverb in many variations. This linguistic play between tradition and innovation is an indication of the survival of quotations and proverbs in modernity.

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Germanica Wratislaviensia

130, 2010

Strony od 181 do 202

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